Schneiderei

1911 siedelte sich der erste Handwerksbetrieb, der Malermeister Hajo Harms  aus Sande, in Wiesmoor an. 11 Jahre später kam der 2. Handwerksmeister  in Wiesmoor an, es war der Friseurmeister Wilhelm Baars aus Lübeck.

’In der Kantine wurde 1 Zimmer abgetrennt und hier der Laden eingerichtet. Das war immerhin eine Errungenschaft für Wiesmoor, denn der nächste  Friseur wohnte in Friedeburg und war oft nicht zu Hause, wenn man ihn  aufsuchte.’

Quelle:Friedrich Klusmann: Chronik Wiesmoors.

Im Jahre 1929 kam ein Schneidermeister hinzu: Tönjes Schmidt.

In der Schneiderwerkstatt

©Copyright: Hans-Jürgen Adams

Zur ländlichen Schneiderwerkstatt gehörte nicht viel: ein Schneidertisch,  eine Nähmaschine und ein Ofen zur Erhitzung der Eisen. Dazu Scheren und Bügeleisen.

Mit gekreuzten Beinen saßen die  Schneider auf ihren Tischen und setzten Stich an Stich. Auf dem Tisch  lagen Maßband und Schere.

Bevor der Schneider mit dem Nähen anfing, musste genau Maß genommen werden, mit Kreide aufgezeichnet werden und dann erfolgte der Zuschnitt. Ein  schwieriger Arbeitsschritt, der das Können des Meisters herausforderte.

Die alte Pfaffnähmaschine stammt aus dem Besitz von Tönjes Schmidt. Die  Nähmaschine erleichtere die Arbeit, mit der Erfindung der Nähmaschine  (1790) wurde aber auch der Niedergang der Schneider eingeläutet.

1845 wurde eine Nähmaschine erfunden, die 300 Stiche pro Minute leisten  konnte, das war fünfmal soviel wie der schnellste Schneider. Nach und  nach steigerte sich die Anzahl der Stiche auf mehrere Tausend pro  Minute.

Der deutsche Nähmaschinenhersteller Pfaff verbesserte seine Maschinen  stetig. Nach dem II. Weltkrieg schafften sich die Frauen ihre eigene  Nähmaschine an und kauften im Kaufhaus Konfektionsware, der Schneider  verlor nach und nach an Bedeutung.

Tönjes Schmidt (1893-1953)

Tönjes Schmidt kam 1929 von Großefehn in die Gemeinde Wiesmoor.

Der 1. Schneidermeister der Gemeinde Wiesmoor war von 1946 bis 1952 der 1. Nachkriegsbürgermeister und 1952 bis 1953 Gemeindedirektor. Er  verstarb an den Folgen eines Unfalls am Ostersamstag 1953 im Rathaus.  ‚Der Strom, der Wiesmoors Leben ausmache, habe nun seinen Tod  verursacht’, hiess es in der Traueransprache von Pastor Ahlers.

Die Schneiderwerkstatt ist uns überlassen worden von Familie Reuter, Wiesmoor und von der Familie Jacobs, Wiesede.