15. Museumsschiffe

Die Tjalk – ein Plattbodenschiff

Die Tjalk ’Anna Sophie’ ist ein Plattbodenschiff, d.h. es hat keinen  Kiel. Mit einem Tiefgang bis zu einem Meter eignet sich das Schiff  hervorragend für das Befahren der Kanäle. Das wichtigste  Erkennungsmerkmal sind die hölzernen Seitenschwerter links und rechts an den Bordwänden. Während bei einem Schiff mit Kiel der Kurs gehalten  werden kann, ist das bei einem Plattbodenschiff nicht möglich. Um nicht abzudriften, werden die Seitenschwerter gesetzt. Die Seitenschwerter  links und rechts am Schiff dienen somit als Ersatz für den Kiel. Die  Plattbodenschiffe konnten im Wattenmeer auch Orte anlaufen, die keine  Hafenanlage besaßen. Zum Be- und Entladen ließen sich die Schiffe  trocken fallen. Das bedeutet, daß sie sich kurz nach dem Hochwasser  auf den Sandstrand aufsetzten. Sie blieben dann bis zur nächsten  Flutwelle dort liegen. Das dauerte etwa acht Stunden.
Als  Frachtschiffe transportierten sie Torf aus dem Moor und brachten u.a.  Schlick aus dem Wattenmeer ins Moor, um damit die Bodenqualität zu  verbessern.
Im 18. Jahrhundert entstand in Ostfriesland eine  selbständige Fehnschiffahrt und es siedelte sich ein selbständiges  Spezialhandwerk, der Holzschiffbau, an. Es wurden insbesondere Tjalken  und Mutten (Torfschiffe) gebaut.

Technische Daten:
Baujahr: 1920
Länge: 16,50 m
Breite: 3,60 m
Besatzung: 2 Personen

In den 1930er Jahren ging die Ä€žra des Holzschiffbaus zu Ende. Die Straße hatte sich als Transportweg durchgesetzt.

Diese Tjalk wurde in den Niederlanden gekauft und für das Torf- und  Siedlungsmuseum restauriert. Finanziell wurde das Vorhaben von der Firma Bohlen und Doyen aus Wiesmoor unterstützt.

Torfschiff ’Tullum’

Das Torfschiff ’Tullum’ liegt auf BoDo’s Wieke. Es wurde mit dem  Spitznamen des ostfriesischen Unternehmers Rolf Trauernicht benannt, da  er sich als Sponsor für das Museum stark machte.

Bei den Fehnkanälen unterscheidet man zwischen dem Hauptkanal und den davon abzweigenden Seitenkanälen, die Wieken, Inwieken und Hinterwieken  genannt werden. Bodo ist die Abkürzung für die Firma Bohlen & Doyen in Wiesmoor, mit deren Hilfe die Wieke angelegt wurde, von daher  BoDo`s Wieke.

Mit kleinen Schiffen, den sogenannten Plattbodenschiffen wurde der  gestochene Torf über die angelegten Kanäle zu den nahegelegenen Städten Emden und Wilhelmshaven gebracht. Für die Rückfahrt wurden  unterschiedliche Materialien, etwa für die Schmiede im Dorf oder auch  Schlick aus der Emsmündung zur Bodenverbesserung in der Landwirtschaft, geladen.
Da die Siedler auf den Fehnen ein karges Auskommen hatten, suchten sie sich Nebentätigkeien u.a. in der Fehnschiffahrt.
Es entstanden im 19. Jahrhundert, zur Blütezeit der Segelschiffe, viele  kleine Schiffswerften in den Fehnorten. Hauptsächlich wurden Mutten,  Poggen und Tjalken gebaut. Die Mutte, auch Torfmuttjes genannt, war das kleinste Schiff. Als charakteristisches Merkmal galt für die Mutten,  daß sie schmal waren im Verhältnis zu ihrer Länge, einen flachen Boden  und eine runde Kimm besaßen.

’Die ostfriesischen Schiffe  zeichnen sich vor allem durch große Dauerhaftigkeit aus, da zu  denselben nur das beste Eichenholz verwendet wurde.’

J. Fr. de Vries: Ostfriesland, 1881, S.259

Die Schiffe mußten getreidelt werden. Die Enge der Kanäle ließ es nicht  zu, dass die Schiffe im Wind kreuzen konnten, somit konnte das Segel  selten eingesetzt werden. Das Schiff wurde getreidelt, d.h. der  Schiffseigner saß am Ruder und ein Schiffsjunge zog vom Ufer aus das  Schiff.