3. Kolonistenhaus

Dieses Gebäude -das Kolonistenhaus- ist der Nachfolger der einfachen Moorhütte.
Es ist von den Maßen her ein kleines, bzw. reduziertes Gulfhaus.
Das ostfriesische Gulfhaus ist ein Zusammenschluss von Wohn- und  Wirtschaftshaus. Seinen Namen hat es vom so genannten Gulf, der einen  freien Raum zwischen vier Ständern bildet.

Der Wohnteil ist nicht so breit wie der Wirtschaftsteil. Er ist, wie bei Gulfhäusern üblich, deutlich eingerückt.

Dieses Gebäude entspricht der Zeit um 1900.

Das Kolonistenhaus ist vom Torf- und Siedlungsmuseum 1988 nachgebaut worden.

Wir befinden uns hier im Wohn/Schlafraum eines Kolonistenhauses um die Zeit von 1900. In diesem Raum lebte die ganze Familie: Vater, Mutter und  mehrere Kinder. In der Regel standen zwei Schrankbetten, auch Alkoven  oder in Ostfriesland als Butzen bezeichnet, zur Verfügung. Die Butzen  sind recht klein. Zweifellos waren die Menschen vergangener Jahrhunderte meist von etwas kleinerem Wuchs als wir es heute sind. Die begrenzte  Bettfläche hat jedoch eher mit der damals vertrauten Schlafhaltung zu  tun, die mehr dem Sitzen glich als einem langausgestrecktem Liegen;  dicke Kissen am Kopfende hoben den Oberkörper des Ruhenden an. Der  begrenzte Raum im Haus und der Vorteil von optimaler Wärme und Schutz  vor Wind und Wetter mögen diese Form des Bettes begünstigt haben. In  Ermangelung eines Kellers wurden unter den Betten Vorräte gelagert.

‘Bald lag ich in der Butze auf Haferstroh und versuchte zu schlafen. (…)  unter mir raschelten die Mäuse, die nach Haferkörnern suchten oder auch  vielleicht ihr Nest im Stroh hatten. Bisweilen pfiffen die Tiere in  ihrem Versteck, aber es kümmerte mich wenig.’
Quelle: Jan van Dieken: Der Moorschulmeister ‘Die Leuchtboje’, Heft 2, 1955

Zur Wärmung der Füße wurde ein Stövchen benutzt: ein Holzkasten mit einem  Tonkrug, in dem Glut eingefüllt war. Die Frau des Hauses benutzte das  Stövchen auch gerne beim Spinnen von Strickgarn.

An der Decke hängen “Updrögt Bohnen”. Ein Eintopf mit ihnen gehört zu den  ostfriesischen Nationalgerichten. Für diese Art der Zubereitung eignet  sich nicht jede Sorte. Die “Ostfriesische Speckbohne”, eine Buschbohne  mit Fäden und dickfleischigen Hülsen ist die richtige Sorte dafür.

Die Bohnen werden von den Fäden befreit und auf ein “Bontjeband”, einen  dünnen Faden, gereiht. Sie werden für mehrere Wochen zum Trocknen  aufgehängt. Diese Art der Bevorratung ist außer in Ostfriesland noch in  den Provinzen Groningen und Friesland der Niederlande zu finden.

’Updrögt-Bohnen-Eintopf’

Zutaten: 500 g Bohnen, 750 g getrockneter, durchwachsener Speck, 2  Mettwürstchen,
1/2 -3/4 l Wasser, 500 g Kartoffeln, Salz, etwas Pfeffer

  • Die Bohnen werden sehr gründlich gewaschen und mit einer Haushaltsschere in 2 cm lange Stücke geschnitten. Dann weicht man sie eine Nacht lang ein. Am folgenden Tag werden die Bohnen in frischem Wasser etwa 20 Minuten  gekocht. Nun gibt man sie auf einen Durchschlag und spült sie nochmals  ab. Der Speck wird mit dem Wasser und den Bohnen aufgesetzt und muss 2  Stunden langsam kochen. In der letzten halben Stunde werden die  Kartoffeln und die Mettwurst mit gekocht. Wenn alles gar ist, wird auch  dieses Gericht durchgestampft und mit etwas Salz und Pfeffer  abgeschmeckt. Quelle: Das Kochbuch aus Ostfriesland, 1975.

Karnstee mit Pumpstee

‘de Karnstee’ (die Milchkammer) diente zur Herstellung u.a. von Butter und Käse. Das  Herstellen von Butter geschah mit dem Butterfass.

In der Ecke  befindet sich die Pumpe, mit der Wasser aus dem ‘Regenback’, der  Zisterne, gepumpt wurde. Im Gegensatz zum Brunnenwasser war die  Wasserqualität des aufgefangenen Regenwassers besser. Zunächst geschah  dies mit hölzernen Regentonnen, erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts  wurden die kostspieligen Zisternen angelegt. Unterstütz wurde diese Form der Wassergewinnung durch vorgefertigte Betonrohre. Da von den  Strohdächern viele Zusatzstoffe wie Schmutz, Moos und Halme herabgespült wurden setzten sich immer mehr die Ziegeldächer durch.

Hier  sehen wir allerlei Dinge des täglichen Lebens. Das Fahrrad -Melkrad- mit Karbidlampe und Milchkannenhalterung diente zum Transport der Milch.  Die gefüllten Milchkannen mussten morgens zur Straße (Sammelstelle)  gebracht werden, dort wurden sie von der Molkerei mit Pferd und Wagen  abgeholt. Mittags kamen die leeren Milchkannen zurück. Sie wurden  ausgespült und auf ein Holzgestell -Rackje- zum Trocknen aufgestellt.

Plattdeutsche Ausdrücke für die Dinge des Alltags:

Eiserne Pumpe = Isdern Pump
Eiserner Topf = Isdern Kokpott
Milchkanne = Melkbumm
Milchsieb = Teems
Fahrrad zum Transport der Milchkannen = Melkrad
Butterstelle = Karnstee
buttern = karnen
Buttermaschine = Karnmöhlen
Kleines Essgeschirr = Aker
Henkelkanne = Drinkbummke
Kartoffelschälkorb = Tuffelschillkörvke
Kartoffelschälmesser = Tuffelschiller
Handbesen = Böhner
Wäschestampfer = Waskestamper
Zinkwanne = Waskebalje
Tragejoch = Melkjück
Stalllaterne = Schienfatt

Mit der Schnippelbohnenmaschine wurden in Ostfriesland eine besondere  Bohnensorte ‘Padleges’ bearbeitet. Diese Sorte ist in Ostfriesland  entstanden. Sie hat sehr breite, fleischige Hülsen, die nur wenige  Bohnen enthalten und traditionell zur Schnippelbohnenherstellung  bevorzugt werden.